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''Go hard or go home'': Dieser Mann hat Grosses vor
Adrian Ehrat
Von Adrian Ehrat
adrian.ehrat@sportal.email
 
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Noch sind sie beinahe unbeschriebene Blätter - aber ihnen gehört die Zukunft: Die "Next Stars". sport.ch portraitiert in einer losen Reihenfolge talentierte Sportler. Heute: Nico Gross. Der Engadiner gilt als grosses Verteidiger-Versprechen für die Zukunft.

Schon einmal etwas von einem ''Triple-Underager'' gehört? Nein? Kein Problem, denn dieser Begriff hat in der Hockeywelt Seltenheitswert. Auf Nico Gross trifft er aber zu. Der Verteidiger ist ein Bestandteil des aktuellen Schweizer U20-WM-Kaders - und dies, obwohl er vom Jahrgang her eigentlich drei Jahre ''zu jung'' ist. Beim anstehenden Turnier in Montréal und Toronto ist Gross gar der zweitjüngste Teilnehmer überhaupt - vorausgesetzt er wird nicht noch aus dem Kader gestrichen.

''Die WM-Teilnahme würde mir sehr viel bedeuten, da es für meine Entwicklung sehr wichtig und allgemein eine super Erfahrung wäre'', sagt Gross. Dass das bisherige Karrierehighlight im Mutterland des Hockeys stattfindet, macht das Ganze für ihn noch etwas spezieller. ''Kanada ist ein superschönes Land. Man merkt richtig, dass das Hockey in diesem Land einen hohen Stellenwert hat.''

''Das grösste Verteidigertalent seit Josi''

Dass der Bündner bereits im zarten Alter von 16 Jahren zum Schweizer Team gehört, ist indes keine grosse Überraschung und nicht zuletzt seiner Ruhe am Puck geschuldet, welche Eishockey-Experten immer wieder hervorheben. ''Ich glaube, er ist das grösste Schweizer Verteidigertalent seit Roman Josi'', sagte etwa NHL-Scout Thomas Roost kürzlich in ''The Hockey Week''.

Das Hockey-ABC erlernte der in Pontresina aufgewachsene Gross beim EHC St. Moritz, ehe es ihn im Alter von 14 Jahren in die Zentralschweiz zum EV Zug zog.

Ich darf jetzt nicht das Gefühl haben, das kommt von alleine, sondern muss dran bleiben und hart arbeiten

Es sei kein einfacher Entscheid gewesen, sagt der Linksschütze rückblickend, doch nach einiger Überlegungszeit folgte er dem Ruf des Juniorentrainers Fabio Schumacher, welcher ihn bei einem U15-Zusammenzug ansprach. Die Aussicht, ein Teil der damals noch in Planung stehenden Hockey Academy des EVZ zu werden, reizte den Verteidiger. ''Es hat alles gepasst'', sagt er heute.

Mittlerweile steht Gross als einer von acht ''Schülern'' der Klasse 2015 im zweiten Jahr seiner Ausbildung. Konkret sieht sein Alltag derzeit so aus: Meeting um 09:00 Uhr, anschliessend Training mit dem NLB-Team EVZ Academy - erst auf, dann neben dem Eis - und am Nachmittag Schule oder Arbeit im fiktiven Betrieb der Academy. ''Da bleibt mir nicht mehr viel Zeit für Anderes'', so der 16-Jährige.

EVZ oder Nordamerika?

Im Team von Björn Kinding und Marcel Jenni hat der Youngster bereits eine wichtige Rolle inne. Die NLB sei im Moment genau das Richtige für seine Entwicklung. ''Es ist eine gute Liga, wo man viel profitieren kann'', so Gross. Seine ehrgeizigen Ziele sind es, ''in der NLB eine Leaderrolle zu übernehmen'' und in der nächsten Saison in der NLA zu debütieren.

Der Weg zum ''grossen'' EVZ scheint vorgezeichnet, dennoch hat der Junioren-Nationalspieler im Rahmen der Academy im kommenden Sommer auch die Möglichkeit, seine Ausbildung in Nordamerika fortzusetzen. ''Ich habe mir schon einige Gedanken gemacht, aber mich noch nicht fix entschieden'', so der Engadiner. ''Der Weg hier wäre aber sicher nicht schlecht. Ich würde gerne hier bleiben.''

Mein grösster Traum ist es, es in die NHL zu schaffen und dort einer der 'Grösseren' zu werden

Damit es mit dem Sprung ins NLA-Team klappt, muss Gross getreu seinem Motto ''Go hard or go home'' weiterhin hart schuften. An den NHL-Draft 2018 vergeudet er derzeit noch keine Gedanken. ''Es ist ein weiter Weg. Ich darf jetzt nicht das Gefühl haben, das kommt von alleine, sondern muss dranbleiben und hart arbeiten'', sagt er. Worte, die Bescheidenheit und Bodenhaftung signalisieren.

Arbeiten müsse er vor allem noch am defensiven Stellungsspiel, der Schlittschuh- und der Stocktechnik, so Gross. Schliesslich möchte er es einmal so weit wie sein grosses Idol bringen. ''Mein grösster Traum ist es, es in die NHL zu schaffen und dort einer der 'Grösseren' wie Roman Josi zu werden'', so der Bündner.

Noch ist es ein weiter Weg in die beste Liga der Welt, doch hiesige Experten trauen dem Verteidiger diesen Schritt dereinst durchaus zu. So wie Nico Hischier - seines Zeichens ebenfalls ''Triple Underager'' in einem Schweizer U20-WM-Kader und nun einer der Top-Prospects für den anstehenden NHL-Draft.