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U20-Nationalteam will den Minimalismus abstreifen

U20-Nationalteam will den Minimalismus abstreifen
Bei den letzten beiden U20-Weltmeisterschaften kämpfte die Schweiz jeweils gegen den Abstieg. In Montreal will das Nationalteam ab heute wieder einmal die Viertelfinals erreichen.

Dass die Schweizer unter Trainer John Fust zweimal den letzten Gruppenrang belegten und die Relegationsspiele bestreiten mussten, war eine grosse Enttäuschung, fehlte es den beiden Teams doch nicht an individueller Klasse. Fust wurde mittlerweile durch Christian Wohlwend ersetzt, der vor einem Jahr als Assistent dabei gewesen war. Der 39-Jährige strotzt nur so vor Leidenschaft.

Die Schweizer treffen in der Vorrunde der Reihe nach auf Tschechien (Dienstag, 19.00 Uhr Schweizer Zeit), Schweden (Mittwoch, 23.00 Uhr), Dänemark (Freitag, 23.00 Uhr) und Titelverteidiger Finnland (Samstag, 23.30 Uhr). Um die Viertelfinals zu erreichen, müssen sie im Minimum ein Team hinter sich lassen. "Jeder Spieler muss daran glauben, dass wir gegen jeden gewinnen können. Das ist der sportliche Antrieb", sagte Wohlwend.

''Müssen 150 % geben gegen Dänemark''

Der auf dem Papier schwächste Gegner sind die Dänen. Allerdings haben die Schweizer keine gute Erinnerungen an die Skandinavier. An den letzten beiden U20-Weltmeisterschaften gingen sie jeweils als Verlierer vom Eis (3:4 n.P. und 1:2).

Wohlwend findet dafür klare Worte: "Wie kann man gegen Dänemark zweimal verlieren? Das ist ganz einfach: Weil wir zweimal das Gefühl hatten, besser zu sein. Dann gewinnt man einfach nicht, obwohl man besser bist. Dann opfert man sich nicht. Das gilt es abzustellen. Wir müssen vom minimalistischen Denken wegkommen. Wenn wir gegen Dänemark nicht 150 Prozent Gas geben, dann gewinnen wir nicht. Wenn wir es machen, und zwar jeder Einzelne, dann sind die Chancen auf einen Sieg sehr gross. Ich hoffe, die Spieler haben dies nun verstanden."

Hockeykultur-Problem in der Schweiz?

Wohlwends Erkenntnisse sind keineswegs neu. Für den Trainer gibt es in der Schweiz ein Hockeykultur-Problem. "Unsere Besten wissen, dass sie immer spielen, schon von der Moskito-Stufe (11 und 12 Jahre) an. Wenn man sie nicht ständig pusht, dann stagnieren sie." So fehlt es ihm bei vielen an der intrinsischen Motivation, das heisst, dass sie von sich aus besser werden wollen und alles dafür tun, auch neben dem Eis, beispielsweise bei der Erholung oder der Ernährung. Dabei beruft er sich auf ein Zitat von Judo Trainer Leo Held: "Jeder Sportler ist sein eigener Unternehmer."

Wohlwend bezieht seine Aussagen nicht nur auf den Nachwuchs. "Viele NLA-Spieler sehen ihren Sport nicht als Beruf. Sie machen nur das Nötigste." Diesbezüglich sind uns die Topnationen meilenweit voraus. Die haben das verstanden." Mark Streit ist für ihn bezüglich der richtigen Einstellung ein perfektes Beispiel. "Er war in der Junioren-Nationalmannschaft gut, aber nicht der Beste. Er hat aber immer mehr gemacht als alle anderen, die Leistungsbereitschaft kam aus tiefstem Herzen. Er verfügt über einen unbändigen Willen."

''Haben klare Leader, die Hierarchie stimmt''

Wohlwend sieht auf internationalem Niveau vor allem bei der Durchschlagskraft der Stürmer ein grosses Problem, weil sich diese nicht an die Härte und den Widerstand gewöhnt seien. "Die Stürmer müssen bereit sein, die Herausforderung anzunehmen. Und die Verteidiger müssen bereit sein, vor dem Tor hart zu spielen".

Diese Tugenden erhofft er sich an der U20-WM von seinem Team. "Von den Einzelspielern her würde ich die letztjährige Mannschaft stärker einschätzen, diesmal könnte aber die Mischung besser sein. Wir haben ganz klare Leader, die Hierarchie stimmt", sagte Wohlwend.

Viel Potenzial im Kader

Zum aktuellen Kader gehören mit Goalie Joren van Pottelberghe (Davos), den Verteidigern Roger Karrer (ZSC Lions) und Jonas Siegenthaler (ZSC Lions) sowie den Stürmern Damien Riat (Genève-Servette), Calvin Thürkauf (Kelowna Rockets/WHL) und Nico Hischier (Halifax Mooseheads/QMJHL) sechs Spieler, die schon im Jahr zuvor dabei gewesen waren.

Letzterer sorgt in seiner ersten Saison in Nordamerika für Furore und wird von einigen Experten gar als kommender Nummer-1-Draft gesehen. Hischier weist wie Nando Eggenberger (Davos) Jahrgang 1999 auf. Nico Gross (EVZ Academy) wird gar erst im Januar 17 Jahre alt.

Um sich optimal an die kleineren Eisfelder zu gewöhnen, sind die Schweizer bereits am 12. Dezember nach Kanada gereist. Gegen die USA verloren sie in der Nacht auf Donnerstag 3:4. In der Nacht auf Samstag treffen sie im letzten Test auf Kanada.

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