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''Der Kopf steuert den Körper und nicht umgekehrt''

''Der Kopf steuert den Körper und nicht umgekehrt''
Harold Kreis ärgert sich über die Zuger Zerfallserscheinungen in Bern. Der EVZ-Coach verlangt die sofortige Verarbeitung des Debakels und will im Playoff-Final eine weitere Rückkehr erzwingen.

6:1 fertigte der SC Bern den chancenlosen EV Zug ab und steht nur noch einen Erfolg vor dem 15. Titelgewinn. Die zweite Demütigung der Innerschweizer in der Arena des Meisters innerhalb von zehn Tagen liess wenig Fragen offen. "Man muss nicht nach vielen Antworten suchen", befand Coach Kreis nach der Vorführung seiner Equipe. Sie seien früh aus dem Gleichgewicht gebracht worden. Aus der Strafe gegen Lino Martschini nach 64 Sekunden resultierte ein missratener Auftakt, der sich bis zur Mitte des ersten Drittels zum empfindlichen Fehlstart ausweitete.

Ausflüchte oder Beschwichtigungen bemühte Kreis keine: "Wir waren nicht gut genug, um einem entschlossenen SCB gefährlich zu werden." Für ihn ist schwer nachvollziehbar, weshalb sie sich erneut regelrecht überrollen lassen mussten. Die Qualität des Gegners sei bekannt, seine Gangart vor eigenem Publikum ebenfalls: "Man muss damit umgehen können und wissen, was auf einen zukommt."

Kritik der Verlierer ziemlich grundsätzlicher Natur

Einer Mannschaft wie Bern dürfe niemand "Luft und Raum geben, um sich so zu entfalten", so Kreis. "Und du darfst niemandem einen Grund geben, dich auf die Strafbank zu schicken." Die (Selbst-)Kritik der Verlierer war ziemlich grundsätzlicher Natur. Vom verlorenen Fokus war die Rede, vom Game-Plan, der nicht eingehalten worden sei. Kreis nannte die Probleme beim Namen: "Man muss die Aufgabe erledigen, die vor einem liegt, und gedanklich nicht schon zwei Aktionen weiter planen. Ich kann nicht passen, bevor die Scheibe vor meinem Stock liegt."

So schwer sich Kreis mit der Form der Abreibung tat, absolut unvorbereitet habe ihn der Fehltritt nicht getroffen. Von einer zu euphorischen Grundhaltung nach den zwei Coups in der Overtime will der Zuger Stratege nichts wissen: "Wir haben uns nach den zwei Siegen nichts vorgemacht. Keiner von uns glaubte nach dem Comeback in der Serie, dass es nun einfacher würde."

''Nicht zu viel analysieren''

Die Verarbeitung der Niederlage passiere schnell, behauptete Kreis. "Wir müssen nicht zu viel analysieren." Er halte es im Playoff ohnehin immer gleich: "Was war, interessiert am nächsten Tag nicht mehr. Die letzten Eindrücke spielen überhaupt keine Rolle." Er blende den Zwischenstand konsequent aus, die Amnesie ist für ihn Programm. Allzu weite öffentliche Rückschauen hält der Pragmatiker für überschätzt.

Kreis leidet selbstverständlich keineswegs unter einem akuten Gedächtnisverlust. Wie man Teams aus schwierigen Situationen manövriert, weiss der Deutsch-Kanadier im Detail. Luganos Rückkehr nach einem 0:3-Rückstand im Viertelfinal-Derby gegen Ambri-Piotta hat niemand vergessen. Die ZSC Lions führte er 2008 in der finalen Serie vom 0:2 zum 4:2.

Und wie schnell ein vermeintlicher Sieger zum grossen Verlierer abdriften kann, ist Kreis aus eigener Erfahrung genauso bekannt. 2012 stand er mit Mannheim 13 Minuten vor dem Titelgewinn an. 5:2 führten die Adler im letzten Drittel gegen die Eisbären Berlin, ehe die Gäste eine kolossale Wende inszenierten und den Einheimischen die Trophäe entrissen. "Der Kopf steuert den Körper und nicht umgekehrt." Kreis denkt und lenkt.

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