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Josi gegen Crosby - eine grosse Finalserie kündigt sich an

Josi gegen Crosby - eine grosse Finalserie kündigt sich an
Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit wird mindestens der Name eines Schweizer Hockeyspielers neu auf der Stanleycup-Gravur verewigt werden. Wenn Nashville gewinnt, dann werden dies Roman Josi, Yanick Weber und Kevin Fiala sein und wenn Pittsburgh gewinnt, dann muss Mark Streit lediglich in einem der Finalspiele eingesetzt werden, um die Berechtigung der Gravur zu erlangen. Sehr erfreulich: Roman Josi ist nicht einfach nur dabei, sondern er spielt eine Hauptrolle.

Ich werde aber an dieser Stelle nicht weiter auf die Schweizer Spieler in diesem Final eingehen, denn dies wurde und wird an anderer Stelle zu Recht prominent getan. In der Folge versuche ich, die beiden Teams etwas unter die Lupe zu nehmen. Wo orte ich Stärken und Schwächen?

Nashville ist das sogenannte “Cynderella-Team” in diesen Playoffs, so quasi der SCB der Saison 15/16. Nur mit grosser Mühe haben sie nach harzigem Saisonstart mit 94 Punkten die Playoff-Qualifikation geschafft; es gilt zu bedenken, dass sich die New York Islanders und Tampa Bay Lightning mit exakt derselben Punktzahl nicht für die Playoffs qualifiziert haben.

Torhüter Pekka Rinne galt mit seinen unbeständigen Leistungen als Auslaufmodell und lange Zeit wurde der Nashville-GM, David Poile, für den Blockbuster-Trade (P.K. Subban für Shea Weber) harsch kritisiert. In diesen euphorischen Tagen spricht aber niemand mehr davon. P.K. Subban ist längst in der “Music City” angekommen und Pekka Rinne wird von nicht wenigen Experten bereits als Conn Smythe Trophy Winner gehandelt (Trophäe für den besten Spieler in den Playoffs).

Sweep gegen einen der Topfavoriten

Nashville hat in der ersten Runde die hochtalentierten Chicago Blackhawks mit einem Sweep - also einem 4:0 - nach Hause geschickt, um dann in der zweiten und dritten Runde gegen physisch starke Teams zu bestehen. Die Serie gegen die Anaheim Ducks war geprägt von hochklassigem “Old School Hockey” seitens der Ducks mit furchterregenden Powerforwards, die einen physischen Abnützungskampf provozierten.

Die Predators haben diese Herausforderung angenommen und ihrerseits mit einem extrem aggressiven Spielstil positiv überrascht. Sie versuchen, überall auf dem Eis Druck zu erzeugen und Überzahlsituationen zu generieren, ihre so genannten „odd man rushes“ sind gefürchtet. Die Vorteile in Sachen Speed haben letztlich vielleicht den Unterschied  in der Serie gegen die Ducks ausgemacht.

Eine weitere Nashville-Spezialität ist, dass sie im Vergleich wenige gegnerische Torschüsse aus gefährlichen Positionen zulassen; auch dies hat damit zu tun, dass sie es schaffen, sehr oft mehr eigene Spieler in Pucknähe zu haben als die Gegner. Die Predators reiten aktuell auf einer Welle der Begeisterung, sie spielen wie aufgedreht und werden zu Hause vom wohl lautesten NHL-Publikum angetrieben. Nachteil: Dieser Spielstil ist ziemlich aufwändig und die Predators dürften extrem froh um die Extratage zur Erholung sein, welche sie im Vergleich zu den Pittsburgh Penguins hatten.

Dominante Top4-Verteidiger

Das personelle Prunkstück der Predators sind die Top4-Defender. Roman Josi, Ryan Ellis, P.K. Subban und Mattias Ekholm, kein anderes NHL-Team ist auf diesen Top4-Verteidigerpositionen so gut besetzt wie die Nashville Predators. Im Sturm fehlen vielleicht erstklassige Spielmachertypen und der verletzungsbedingte Ausfall von Ryan Johansen dürfte sich vor allem auch im Bullykreis negativ auswirken. Trotzdem darf die Feuerkraft der Predators nicht unterschätzt werden.

Mit Filip Forsberg und James Neal kann Nashville mit zwei der besten Scharfschützen aufwarten. Filip Forsberg mit seiner etwas ungewohnt unorthodoxen aber gerade darum brandgefährlichen Schusstechnik und James Neal, einer der intelligentesten Schützen, der sehr oft die im Kontext meist versprechende Schussart wählt und auch gegnerische Verteidiger für seine Interessen betreffend Schusswahl benützt - Stichwort Screening.

Josi gegen Crosby - eine grosse Finalserie kündigt sich an
Pekka Rinne galt neben der fehlenden High-End-Spielmacherqualität als Schwachpunkt im Team. Er hat aber seit Beginn der Playoffs sehr überzeugt und alle Kritiker Lügen gestraft; grossartig seine bisherigen Playoffleistungen in diesem Jahr. Hinzu kommt, dass die Predators mit Juuse Saros einen zwar unerfahrenen, aber hoch talentierten Goalie in der Hinterhand haben, so dass eine Schwächephase von Rinne wahrscheinlich gut abgefedert werden könnte.

Wirbelnde Pinguine

Die Pittsburgh Penguins spielen anders als die Predators. Ihr Spielstil ähnelt demjenigen der Chicago Blackhawks. Sie setzen auf Speed und Skills und verkörpern eher den modernen Spielstil im internationalen High-End-Hockey. Sie kennen meistens nur den Vorwärtsgang. Eine Führung mit destruktivem Trapping-Hockey zu verteidigen, ist nicht so ihr Ding. Interessant auch die Feststellung, dass die Pittsburgh Penguins das im Durchschnitt kleinste und leichtgewichtigste NHL-Team stellen.

Für Eishockeyästheten ein Glück, dass sich in der Halbfinal-Serie die Penguins durchgesetzt haben und nicht die Ottawa Senators die einen eher unspektakulären Spielstil praktizieren, einige Kritiker sprechen sogar von “boring hockey”.

Es sei an dieser Stelle aber sehr deutlich gesagt, dass die Senators und ihr Coaching-Staff für ihre Leistungen grossen Respekt verdienen. Die Mannschaft war auf dem Papier nicht einmal gut genug für die Playoffqualifikation und hat mit diesem höchst mittelmässigen Spielermaterial beinahe den Einzug ins Finale geschafft.

Die Tendenz geht in Richtung Speed

Trotzdem, aus meiner Sicht sehr gut und wichtig für die Trends im Eishockey, dass in den letzten Jahren vor allem auch Skilled und Speedy-Teams wie die Chicago Blackhawks und die Pittsburgh Penguins gezeigt haben, dass das oft gehörte “offense wins games and defense wins championships” nur bedingt zum modernen Eishockey passt. Tendenziell geht die Entwicklung in Richtung Skills und vor allem Speed.

Die Stärken der Penguins liegen somit im Bereich Skills und zwar vor allem bei den Forwards. Die Penguins sind in der Offensive ein zweiköpfiges Monster. Die beiden Superstar-Center Sidney Crosby und Evgeni Malkin können in der Offensive mit ihrer Klasse konstant Druck erzeugen und die Gegner langfristig ermüden. Je älter ein enges Spiel wird, desto eher profitieren die Penguins von gegnerischen Fehlern. Wenn man müde ist, wird man fehleranfälliger, und dies wissen die Penguins sehr genau.

Josi gegen Crosby - eine grosse Finalserie kündigt sich an
Hinzu kommt, dass mit Mike Sullivan ein Top-Coach an der Bande steht, der die kleinen Dinge, die man an der Bande richtig oder falsch machen kann, in den ersten Playoffserien meistens richtig gemacht; er hat auch im Spiel 7 bis hin zur zweiten Overtime die erfolgreiche Mischung bei den Linienzusammensetzungen gefunden, um den Senators-Riegel letztlich zu knacken.

Achtung vor dem Powerplay

Ok, wenn man sich im Spiel 7 in der zweiten Overtime qualifiziert, dann benötigt man auch Glück, dies sei an dieser Stelle auch sehr klar angemerkt. Neben Crosby und Malkin findet sich auch noch Phil Kessel im Roster der Pens, ein hochkarätiger, kontrovers diskutierter Sniper, auch er mit viel Speed gesegnet. Die mögliche Rückkehr von Powerforward Patric Hornqvist dürfte die Penguins im Bereich Screening, Ablenker und “hässliche Goals” gefährlicher machen, sein Markenzeichen ist die so genannte „net front presence“; in diesem Bereich weisen die Penguins eher schwache Statistiken auf. Statistisch gesehen ist das Powerplay die beste Offensivwaffe der Pens.

Die Verteidigung ist wenigstens auf dem Papier maximal mittelmässig besetzt. Der Ausfall des Offensivverteidigers Kris Letang wiegt schwer, ähnlich wie derjenige von Ryan Johansen bei den Predators. Zudem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass der stellvertretende offensive Verteidigungsminister Schultz angeschlagen sei und mit einer gebrochenen Rippe spiele. Allerdings haben die Penguins auch im letzten Jahr den Stanley Cup mit einer sehr mittelmässig besetzten Defense gewonnen; auch dies eine interessante Feststellung.

Der Säbelzahntiger muss versuchen, den Pinguin an Land zu locken – sprich, in der eigenen Zone festnageln. Wenn das gelingt, dann werden wir schnell spüren, wie ungelenk und wenig kraftvoll der Pinguin zu Fuss unterwegs ist. Aber haben sie einen Pinguin schon mal schwimmen – in der offensiven Zone attackieren - gesehen?

Ein Duell der Gegensätze

Alles in allem - auf einen etwas einfacheren Nenner gebracht - sehen wir ein Duell von “High-End-Verteidigern” gegen geballte Offensivkraft, angeführt von zwei der allerbesten Center auf diesem Planeten. Euphorie und positive Aggressivität gegen Erfahrung, Skills und Speed. Countrymusik gegen Steel Drum Band. Pittsburgh ist eine Metropole im so genannten Rost-Gürtel, sinnbildlich für den Niedergang der Stahlindustrie in den 70er-Jahren. Pittsburgh hat aber nicht nur im Eishockey den Ausweg aus der Krise nach den Zeiten mit Mario Lemieux gefunden, auch wirtschaftlich hat sich die Stadt auf eine neue ökonomische Basis gestellt und gilt heute als Musterbeispiel für gelungenen Strukturwandel.

Die Pittsburgh Penguins sind unter anderem zusammen mit den Chicago Blackhawks und Tampa Bay Lightning Trendsetter in Sachen modernes Eishockey mit hohem Unterhaltungswert. Die Serie verspricht Hochspannung. Die Region Bern wird sich auf den Besuch der berühmtesten Sporttrophäe der Welt freuen. Bei einem Sieg der Predators käme neben Bern sogar auch noch die Ostschweiz zum Handkuss, schöne Aussichten für alle Hockeyfans in der Schweiz!

Von Thomas Roost

Thomas Roost ist NHL-Scout, seit 1996 Alleinverantwortlicher für die Schweiz und Deutschland und zusammen mit dem europäischen Team verantwortlich für die gesamteuropäischen "Crisscross-Rankings".

Josi gegen Crosby - eine grosse Finalserie kündigt sich an