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Playoff-Helden sind mental, taktisch und physisch topfit

Playoff-Helden sind mental, taktisch und physisch topfit
Die Suche nach dem „Prototypen“ eines Playoffspielers ist wie jene nach dem heiligen Gral: Den idealen Playoffspieler gibt es nämlich nicht. Und dennoch kommen einige NHL-Cracks dieser Vorstellung eines „Prototypen“ sehr nahe. Einer holte sich zum zweiten Mal in Folge die begehrte Conn Smythe Trophy als Playoff MVP: Sidney Crosby.

Um in den Playoffs erfolgreich zu sein, muss man nicht nur die so genannten Winning Skills und seine Kernfähigkeiten ausspielen. Die Ausbilder sprechen jeweils von den sechs “C”-Wörtern: control, composure, concentration, commitment, confidence und consistency. Diese Aspekte sollte jeder Playoffspieler, der Erfolg in der Post Season haben möchte, beherzigen. Zusammengefasst geht es um die Kontrolle über die Situation und die Fokussierung auf eben dieser. Hierbei wird auch die Kontrolle über die eigene mentale Verfassung mit eingerechnet sowie auch das Selbstvertrauen, die Hingabe in die Aufgabe und die Leistungskonstanz.

Mentale Komponente macht den Unterschied

Dies zum wichtigen mentalen Bereich. So sagte doch einer der erfolgreichsten Playoff-Spieler aller Zeiten, Claude Lemieux, aus voller Überzeugung: „In den Playoffs kommt es immer auf kleine Details an. Normalerweise besteht die Eishockeyausbildung aus 99 Prozent Technik und körperlicher Fitness und vielleicht einem Prozent mentaler Vorbereitung. In den Playoffs aber, entscheidet dieses eine Prozent über Erfolg oder Misserfolg.“ Topfit sind in den Playoffs die meisten. Dieser Aspekt ist Voraussetzung für eine erfolgreiche, lange Playoffkampagne. Und so kommt man immer wieder zum gleichen Fazit: Den „Prototyp“ eines Playoffspielers gibt es zwar nicht, aber in einem guten Playoffteam werden jene Akteure erfolgreich sein, die ihre Rollen perfekt interpretieren und die anderen Spieler komplettieren. Dustin Brown ist ein Vorzeige-Beispiel. Oder auch Jonathan Toews, der wie Brown die Captainfunktion so vorbildlich umsetzt. Joe Thornton, dem man lange nachsagte, er sei ein „Playoffversager“, beweist derzeit seine Playofftauglichkeit auf eindrücklichste Weise. Es wären sehr viele Vorzeige-Playoffspieler zu nennen und zu charakterisieren, aber einer verkörpert seit Jahren den Playoff-“Prototypen“: Sidney Crosby.

Im illustren "Dreierclub" der Playoff-MVP-"Back-to-Back"-Helden 

Sidney Crosby erhielt die Conn Smythe Trophy zum zweiten aufeinander folgenden Jahr. Damit begibt er sich in einen sehr illustren Kreis, dem nur gerade drei (!) NHL Stars angehören. Erst zwei NHL-Stars hatten bisher geschafft, den Conn Smythe Trophy-Gewinn zu verteidigen: Bernie Parent (Philadelphia Flyers 1974 und 1975) sowie Mario Lemieux 1991 und 1992. Was Crosby dabei noch besonders auszeichnet: Er war 2017 sogar noch besser und ein noch „kompletterer Playoff Captain“ als 2016. In den entscheidenden Momenten ab Spiel 5 wurde seine Dominanz entscheidend für den Ausgang der Finalserie. „Wie ein echter Leader hat er das Heft in die Hand genommen und abgeliefert. Er war dann der Beste, als es darauf ankam“, sagte sein Cheftrainer Mike Sullivan. Auffällig war zudem, dass dieser Aspekt jeweils bei jeder Playoff-Serie der entscheidende war. Und nicht einmal eine durch Schlitzohr P.K. Subban provozierte „Polemik“ und die „Sonderbehandlungen“ während den Partien durch die besten Gegenspieler (Josi, Subban...) brachten ihn aus dem Konzept. Ganz im Gegenteil – es bewirkte sogar eine Leistungssteigerung. Nicht zuletzt aber, hat er wie 2016 erneut seine Kollegen zu Höchstleistungen getrieben und seinen Flügelspielern überhaupt ermöglicht, in den Playoffs zu brillieren. Jake Guentzel & Co. lassen grüssen.

Keine Diskussionen wie 2016

War also seine Wahl zum Playoff MVP 2016 noch etwas „umstritten“, so war der Fall 2017 besonders seit Spiel 5 der Finalserie klar. Sidney Crosby gab in den Playoff-Wochen die richtigen Impulse und Tipps, war der uneingeschränkte Anführer auf und neben dem Eis und setzte die Mitspieler ins Szene. Mit Kampfgeist und Routine hat sich Sidney Crosby noch einmal als Teamleader positioniert. Ausschlaggebend war zudem die Konstanz des Captains über die gesamten Playoffwochen hinweg. Schliesslich war er auch im Direktduell mit Alex Ovechkin und dessen dominierendes Team aus der regulären Saison – und dies nicht zum ersten Mal in den Playoffs – der klare Sieger. Zumal er auch defensiv zu überzeugen wusste. Die Playoff-Historie zeigt, dass effiziente Offensivspieler auch exzellente Defensivstürmer sein können: Steve Yzerman oder Jonathan Toews machten es vor.

 

Joel. Ch. Wüthrich**

** Joël Ch. Wüthrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der Fachpubikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen und Produktionen, unter anderem leitete er auch die Fachpublikationen Slapshot (2003-2006) und Top Hockey (1999-2003, 2006-2012). Joël Wüthrich leitet hauptberuflich ein crossmedial aufgestelltes PR-Büro und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der 50-jährige Familienvater arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.


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