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Die Gewinner und Verlierer des NHL-Drafts 2017

Die Gewinner und Verlierer des NHL-Drafts 2017
Die Tage nach dem Draft eignen sich wie keine anderen für Analysen und Einschätzungen. Es war eine hektische, spannende, aufregende, spektakuläre NHL- Woche: Zuerst mit dem Expansiondraft, dann aufwühlende Trades gefolgt vom Entrydraft-Wochenende.

Meine Gewinner:

Die Schweiz:

Zum ersten Mal in der Geschichte der NHL wurde ein Schweizer Talent als 1 st - Overall gedraftet. Ein Meilenstein und ein Aufhänger für aufregende, emotional aufgeladene Geschichten, die dazu führen sollten, noch mehr Jungs in der Schweiz für den Eishockeysport zu begeistern. Neben Nico Hischier gehören auch Tobias Geisser und Gilles Senn zu den Gewinnern dieses Drafts. Jeder Spieler, der gedraftet wird, darf mächtig stolz sein. Gilles Senn startet als die Nr.5 in der internen Devils-Goalie-Hierarchie und bei den Capitals liegt Tobias Geisser von den insgesamt 21 Verteidigern ungefähr auf Position 15. Ich traue beiden Spielern einen Aufstieg in der internen Hierarchie zu; ob es irgendwann bis zum Stammspieler in der NHL reicht, ist ungewiss.

Finnland:

Dieses eindrückliche Eishockeyland mit nur wenig mehr als der Hälfte unserer Einwohnerzahl konnte mit 23 gedrafteten Spielern einen Vollerfolg feiern. Die Finnen haben hiermit beinahe zu Schweden aufgeschlossen und dies beweist, dass sie in Sachen Ausbildung einen grossen Schritt nach vorne getan haben. Die High-End-Spieler aus den letzten Drafts (Aho, Laine, Puljujärvi) dürfen nicht als Eintagsfliegen beurteilt werden.

Klein gewachsene Spieler:

Die neue NHL verlangt nach Speed, Skills und Smartness. Die Körpergrösse wird bis zu einem Gewissen Grad nur noch marginal gewichtet. Dass diese Erkenntnis mittlerweile bei den meisten Entscheidungsträgern angekommen ist, verdanken wir unter anderem auch Spielern wie Johnny Gaudreau. Sogar die beiden Verteidiger Cale Makar und Erik Brännström – beides Erstrundenpicks - sind nicht grösser als 1.80m und der 1.70m "grosse" Kailer Yamamoto hält den neuen Rekord als kleinster je gedrafteter Erstrundendraft.

Vegas Golden Knights:

Die Golden Knights haben im Vorfeld des Entry-Drafts gut gewirtschaftet und sich drei Erstrundendraftrechte ergattert. Sie haben diese Picks recht gut ausgenützt und mit Cody Glass, Nicholas Suzuki, Erik Brännström wie auch dem frühen Zweitrundenpick Nicolas Hague ein solides Talentfundament für die Zukunft gelegt. Ich bin davon angetan, wie die Golden Knights aufgestellt sind, sie haben einen guten Job gemacht.

Arizona Coyotes:

Coyotes-GM John Chayka ist der jüngste aller GMs und er hat in der vergangenen Woche Eindrückliches geleistet. Zuerst hat er sich von der Coyotes-Legend Shane Doan verabschiedet, was ihm vermutlich im weiteren Coyotes-Umfeld nicht nur Freunde gebracht hat. Der unpopuläre Entscheid war aber sportlich, wie auch wirtschaftlich sehr angezeigt und er hat dies kurz und schmerz- aber nicht respektlos durchgezogen, so ganz nach dem Motto: Sei menschlich, nimm Abstand. In den Tagen danach haben die Coyotes einen potenziellen Nr.1-Center (Stepan), einen potenziellen 1 st-Pair-Defender (Hjalmarsson) wie auch einen potenziellen Nummer 1-Goalie (Raanta) an Land gezogen. Im Draft haben sie meiner Meinung ebenfalls gut gezogen. Die Coyotes sind heute deutlich besser besetzt als noch vor einer Woche.

Meine Verlierer:

Die Schweiz:

Ja, das ist kein Fehler, denn die Schweiz gehört nicht nur zu den Gewinnern, sondern auch zu den Verlierern dieses Drafts. Wenn wir davon träumen, zur Weltspitze aufrücken zu wollen, dann müssen wir diesen Draft als Schlag ins Gesicht, als grosse Ernüchterung beurteilen. Während die Schweden und Finnen mit je über 20 Draftees glänzen, sind es bei uns lediglich 3. Dies darf und kann nicht unser Anspruch sein. Wir müssen dieses Loch schliessen oder mindestens deutlich kleiner werden lassen. Die Anzahl Draftees ist ein hervorragender, ein sachlich professioneller Gradmesser, für den Qualitätsstand der Juniorenausbildung und indirekt auch für die Popularität der Sportart Eishockey, an beidem müssen wir arbeiten.

Mittelmässige Schlittschuhläufer:

An den Beispielen von Gabe Vilard, Maxime Comtois und Matthew Strome zeigte es sich, wie sich die Parameter im Scouting verschoben haben. Noch vor zwei Jahren wären diese Spieler deutlich früher gedraftet worden und ihr mittelmässiges Skating wäre nicht so stark gewichtet worden. In der aktuellen NHL-Welt haben mittelmässige Skater nur noch eine limitierte Bedeutung. Die Top5-Picks sind alles überdurchschnittliche Skater. Dies ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle Ausbildner.

Colorado Avalanche:

Die Hockeywelt hat im Vorfeld des Drafts einen Trade mit Matt Duchene und/oder Gabriel Landeskog erwartet, denn Colorado ist in einem derart schwachen Zustand, dass nur ein radikaler Rebuild mittelfristig etwas bringt. Mit hochkarätigen Draftrechten als Gegenwert für eben einer dieser Spieler hätte dieser Rebuild angestossen werden sollen. Es ist aber nichts dergleichen geschehen. Die unzufriedenen Duchene und Landeskog sind immer noch Teil der Avalanche, frühe Draftrechte konnten keine an Land gezogen werden und in der Lottery kam schon früh Pech dazu. Cale Makar ist zwar ein hochkarätiges Talent mit unbeschränktem Offensivpotenzial, aber er wird der Avalanche in den nächsten 2-3 Jahren kaum bereits helfen können.

Boston Bruins:

Ich kenne zwar nicht alle gedrafteten Bruins-Picks gut genug, aber ich werde den Eindruck trotzdem nicht los, dass sie aus dem Draft mehr hätten machen können. Mir fehlen bei den Picks offensives Kreativpotenzial und die Feuerkraft.

Spieler die besser werden könnten, als es ihre Draftposition erwarten lässt:

In jedem Draft gibt es Stimmen die von so genannten "Steals" sprechen. Spieler die nach Meinung einiger sehr viel früher hätten gedraftet werden sollen. Ich will dieses Spiel auch spielen. Darum hier einige Picks bei denen ich glaube, dass sie in einigen Jahren als "Steals" herausstellen könnten:

  • Erik Brännström, D, VGK, #15 (bei mir ein Top-10- Pick). 
  • Kailer Yamamoto, F, EDM, #22 (bei mir ein Top-15- Pick)
  • Eeli Tolvanen, F, NSH, #30 (bei mir ein Top-10- Pick) 
  • Klim Kostin, F, STL, #31 (bei mir ein Top-15- Pick)
  • Joni Ikonen, F, MTL #58 (bei mir ein später Firstrounder)
  • Ostap Safin, F, #115, (bei mir die Nr. 30 overall) 
  • Last but not least: Sebastian Aho, D, NYI #139.
    Er ist für mich seit Jahren unverständlich ein übergangener, smarter Verteidiger, nicht verwandt mit seinem finnischen Namensvetter, der bei den Carolina Hurricances spielt. Das "Projekt" des schwedischen Verteidigers Sebastian Aho bei den Islanders verfolge ich sehr gespannt und glaube, dass es erfolgreich enden wird. 

Ich bin gespannt bei welchen Spielereinschätzungen ich mir in einigen Jahren auf die Schulter klopfen darf und bei welchen ich mich sehr kritisch hinterfragen muss.

von Thomas Roost

Die Gewinner und Verlierer des NHL-Drafts 2017
Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

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