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Der NHL-Flohmarkt

Der NHL-Flohmarkt
Am 1. Juli hat sich die Tür zum Unrestricted Free Agent Markt in der NHL geöffnet. Ungefähr 150 Spieler standen im Angebot und können ohne sportlichen Gegenwert (Spieler, Draftrechte) verpflichtet werden. Dieser Tag ist mit den ersten Stunden an einem Flohmarkt zu vergleichen.

Ge- und zum Teil verbrauchte Gegenstände werden zu Fantasiepreisen angeboten und die gewitzten Gebrauchtwarenhändler sind die ersten die auf dem Parkett stehen, um mit ihrem vermeintlich geübten Auge die Schnäppchen vor allen anderen zu erkennen. In der NHL bedeutet dies: Unrestricted Free Agents (UFAs) sind in der Regel ältere Spieler mit denen sich vor allem mittelmässig bis gute Teams den Sprung zum “Contender”, zum Stanleycupmitfavoriten, erhoffen und darum (zu) oft bereit sind, Spieler überzubezahlen. Die betroffenen Spieler selbst sind sich meist bewusst, dass sie Auslaufmodelle sind, erfreuen sich aber an den hohen "Rentenverträgen", die ihre Agenten aushandeln und nicht zu selten gibt es kurze Zeit später sogar noch eine "Abfrackprämie" (einmalige Buy-Out- Zahlung). Aus Sicht der Teams gilt es, im Free Agent Markt in erster Linie grobe Fehler – sprich schmerzhafte Überbezahlung für viele Jahre von mittelmässigen Spielern – zu vermeiden. Hierzu gilt es zu wissen, dass eine diesbezüglich schlechte Entscheidung sehr viel gravierendere Auswirkung hat als eine gute Entscheidung (Schnäppchen-Verpflichtung). Was viele GMs mitunter zu wenig berücksichtigen ist, dass ein mit beispielsweise 5 Millonen überbezahlter mittelmässiger Spieler nur unbedeutend besser ist als ein so genannter Ergänzungsspieler der in der Regel so zwischen 700’000 und 1.5 Millonen kostet. In diesen Sphären wird unglaublich viel Geld verschwendet. Wenn wir dann noch den Energielevel und das Entwicklungspotenzial eines jungen, fitten, dynamischen Ergänzungsspielers in die Waagschale werfen dann ist es definitiv sehr fraglich, ob man für einen mittelmässig bis guten 30-Jährigen 5 Mio aufwerfen soll oder nicht. Es wird aber gemacht, Jahr für Jahr. Und auch wieder – wenn auch dieses Mal in abgeschwächter Form - an diesem 1. Juli 2017.

Zusammenfassend: Der erste Tag des Free Agent Markts ist in der Regel der Tag an dem die GMs ihre grössten Fehler begehen und Verträge abschliessen, die sie später bereuen. An keinem Tag wie diesem schliessen ältere Spieler derart überbezahlte Verträge ab. Grundsätzlich kann man in diesem Jahr sagen, dass es keine absoluten “High-End- Superstars” gibt, die auf dem Free Agent Markt zu haben sind. Es hat mehr Masse als Klasse. Die Nordamerikaner sprechen von einem klassischen "Yard-Sale".

Schlechte Transfers in der Vergangenheit

Schauen wir aber zuerst zurück auf ebensolche "Bad Deals" in der Vergangenheit: Im Jahr 2002 nahmen die New York Rangers Bobby Holik unter Vertrag und zwar für insgesamt 45 Millionen.  5 Jahre à je 9 Millionen! Bobby Holik war ein solider Zweiwegcenter, der mit den New Jersey Devils gute Erfolge feiern konnte, aber er war nicht mehr als – eben – ein solider Zweiwegcenter. Holik war eine Riesenenttäuschung am Broadway, er buchte in seinen ersten zwei Vertragsjahren nur wenig mehr als 0.5 Scorerpunkte pro Spiel und wurde danach als nicht ganz billiger "Buyout" verabschiedet. Randbemerkung: Die New Jersey Devils gewannen 2003, auch ohne Bobby Holik, den Stanley Cup. Aber auch in der Neuzeit gibt es einige Free-Agents- Verpflichtungen, die aus heutiger Sicht sehr kritisch beurteilt werden müssen. Louie Eriksson steht bei den Vancouver Canucks mit 6 Millionen jährlich bis 2022 unter Vertrag und buchte in seinem ersten Jahr nur 11 Tore und 13 Assists. David Clarkson wurde im Jahr 2013 von den Toronto Maple Leafs als smarter Zuzug gefeiert. 5 Millonen pro Saison für 7 Jahre! Ist sehr viel zu viel für einen Mann, der es in zwei Maple Leafs Saisons zusammen gerade mal auf total 26 Skorerpunkte gebracht hat. Die Detroit Red Wings verpflichteten ebenfalls 2013 Stephen Weiss, auch er für 5 Millonen pro Saison, für fünf Jahre. Stephen Weiss kam in zwei Saisons ähnlich wie Clarkson auf nur gerade 29 Skorerpunkte und wurde dann von den Red Wings vorzeitig verabschiedet. Dies war selbstverständlich nur durch die Bezahlung einer entsprechenden "Abfrackprämie" möglich. Stephen Weiss hat seither nie mehr in der NHL gespielt. Fairerweise muss man aber auch ein, zwei positive Beispiele erwähnen. Die Edmonton Oilers werden die Verpflichtung von Milan Lucic bis jetzt kaum bereuen und auch die Boston Bruins würden sich vermutlich noch einmal für Zdeno Chara entscheiden.

Vertragsunterzeichnungen vom 01. Juli 2017

Kommen wir zu den gestrigen Vertragsunterzeichnungen vom 1. Juli 2017. Welche Deals erachte ich als überdimensioniert, welche als vernünftig und gibt es auch solche mit Schnäppchenpotenzial?

An dieser Stelle ist es nichts als fair, darauf hinzuweisen, dass niemand im Voraus definitiv weiss, ob eine Vertragsunterzeichnung ein grosser Fehler ist oder nicht. Wir müssen bescheiden bleiben und vermeintlich überdimensionierte Deals nicht als Fehler sondern als Deals mit sehr grossem Risikopotenzial bezeichnen. In der Folge nun einige der Deals, die ich als höchst risikobehaftet beurteile (hierbei inkludiere ich auch Vertragsverlängerungen von "Restricted Free Agents"):

Überbezahlte Verträge:

Bei den Vertragsverlängerungen beurteile ich den Deal mit Sharks Goalie Martin Jones (6 Jahre mit 5.8 Mio. pro Jahr) als überdimensioniert, risikobehaftet und ansatzweise gilt für mich dasselbe bei Cam Fowler (8 Jahre mit 6.5 Mio. pro Jahr). Vor allem bei langjährigen, hochdotierten Goalieverträgen sträuben sich bei mir immer die Nackenhaare. Bei den UFAs wäre ich unruhig, wenn ich in den Kleidern von Marc Bergevin, GM der Montreal Canadiens, stecken würde. Ein 5-Jahresvertrag, dotiert mit je 4.6 Millionen für Karl Alzner, ein reiner Defensivverteidiger; nein dieser Deal ist sicher fragwürdig und wird den Habs-GM unnötig unter Druck setzen. Auch Justin Williams, Carolina, scheint mir mit 4.5 Millonen um circa 2 Millionen überbezahlt, wie auch der Verteidiger der Winnipeg Jets, Dimitry Kulikov. Er freut sich über stolze 4.3 Mio pro Jahr bei einer Vertragsdauer von 3 Jahren. Nick Bonino für jährlich über 4 Millionen bei Nashville ist tendenziell auch überbezahlt. Auffallend sehr generell, dass sich einige Stanley Cup Sieger aus der zweiten Reihe der Pittsburgh Penguins gestern anderswo haben vergolden lassen, nicht aber bei den Penguins selbst. Pittsburgh hat die Erfahrung gemacht, dass sie Spieler für die zweite Reihe und Ergänzungsspieler kostengünstig besetzen können, ohne gross an Qualität zu verlieren. Auch diesbezüglich haben die Penguins Vorbildcharakter und fahren aktuell dieselbe Strategie wie vor einem Jahr.

Vernünftige Verträge:

Solide, zu erwartenden Deals haben Chris Kunitz, Tampa, 2 Millionen per annum. wie auch Dominic Moore von den Maple Leafs erhalten. Moore steht mit 1 Millionen zu Buche.

Schnäppchen:

Schnäppchenpotenzial aus Sicht der NHL-Teams haben Benoit Pouliot (Buffalo), Scott Hartnell (Nashville) Antti Niemi (Pittsburgh), Patrik Sharp (Chicago) und Mike Camalleri (Los Angeles Kings). Sie alle konnten für ca. 1 Mio oder weniger unter Vertrag genommen werden.

Am meisten zu reden gab die NY-Rangers-Verpflichtung von Kevin Shattenkirk. Interessant ist dabei, dass Shattenkirk einiges an Geld auf dem Tisch hat liegen lassen, denn er hatte deutlich bessere Offerten von anderen Teams. Es war aber ein Kindheitstraum von ihm, eines Tages für die Rangers zu spielen und zur Verwirklichung dieses Traums verzichtete er auf einige Millionen. Insgesamt sind für mich die Rangers die Gewinner des ersten Tages der Free-Agency und dies nicht nur wegen Kevin Shattenkirk. Die Rangers haben auch mit Brendan Smith und dem Talent Anthony DeAngelo ihre Blueline verstärkt und mit Ondrej Pavelec einen Backup- Goalie zu einem Schnäppchenpreis verpflichtet. Eher überraschend gehörten die New Jersey Devils weitgehend zu den Konsumverweigerern des ersten Tages. Die Devils haben aktuell erst 14 Spieler für ihr NHL-Roster unter Vertrag. Auch die kommenden Tage werden interessant. Die NHL sorgt immer für Gesprächsstoff.

von Thomas Roost

Der NHL-Flohmarkt
Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

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