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Wieso spielen Jagr und Thornton noch immer in der NHL?

Wieso spielen Jagr und Thornton noch immer in der NHL?
Jaromir Jagr ist 45 Jahre alt, Joe Thornton ist 38. Wie ist es in der hoch entwickelten Sportart Eishockey möglich, auf Stürmer-Positionen auch noch in diesem hohen Alter in der besten Liga der Welt, der NHL, derart gut zu spielen? Wieso verlieren einige Spieler mit zunehmendem Alter schnell an Qualität und bei anderen verzögert sich dieser Prozess? Warum sollen Martin Plüss und Tommi Santala bei uns nochmals Verträge erhalten oder warum nicht?

Einerseits ist es unlogisch, dass die Generation der heute 40-Jährigen noch immer in der besten Liga der Welt mitspielen können. Die jungen, nachstossenden Spieler sind besser ausgebildet als die Jagr-Generation und erhöhen somit den Leistungsdruck auf die älteren Spieler, die sowieso schon mit Abnützungserscheinungen und abnehmender physischer Leistungsfähigkeit zu kämpfen haben. Andererseits gibt es doch auch logische Erklärungen hierfür. Erstens schaffen es bei weitem nicht alle, sich im Alter von 40 Jahren noch in der NHL zu behaupten; es sind nach wie vor Ausnahmeerscheinungen. Hinzu kommt – und hier liegt der Hauptteil der Erklärung – dass diejenigen Spieler der Jagr-Generation, die ihren Beruf immer sehr ernst nehmen, betreffend Fitness, Ernährung, Erholung und medizinische Betreuung von neusten Erkenntnissen profitieren und darum sehr fit und körperlich noch immer leistungsfähig sind. Personal-Coaches haben Einzug gehalten, individuell abgestimmte Trainingsprogramme führen zu Leistungsoptimierungen im hohen Altern, von denen man vor 50 Jahren nur träumen konnte. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Immer mehr Athleten werden sich individuellen Trainingsprogrammen unterordnen und werden dabei von "Personal-Coaches" begleitet. Hinzu kommen individuelle Skill-Coaches, die von immer mehr Spielern direkt und als Ergänzung zum Teamtraining engagiert werden. Der nächste Schritt wird sein, dass die Personal-Coaches wenigstens teilweise von Algorhitmen abgelöst werden. Ausgeklügelte Computerprogramme werden den Athleten vorgeben wie, wann und was sie trainieren und essen müssen, damit sie physisch bis ins hohe Alter leistungsfähig bleiben. Diese Programme sind weit über die Sportdisziplin von Bedeutung denn hier liegt auch einiges an Potenzial für die Gesundheitsförderung, respektive –erhaltung.

Welche Skills nehmen mit zunehmendem Alter stark ab?

Ich bleibe aber in der Folge beim Eishockey und will Ansätze aufzeigen wieso einige ältere Hockeyspieler – bei meinen Beispielen sind es Stürmer - sehr viel früher an Leistungsfähigkeit einbüssen als andere. Ich verzichte an dieser Stelle auf Verteidiger wie zum Beispiel Zdeno Chara und Mark Streit näher einzugehen, obwohl auch sie und einige andere Verteidiger im hohen Eishockeyalter noch immer Top-Leistungen abliefern. Meine kleine Analyse betrifft einerseits Jaromir Jagr und Joe Thornton und andererseits Danny Heatley und Vincent Lecavalier. Heatley und Lecavalier haben im Vergleich bereits relativ früh an Qualität eingebüsst und dienen als Gegenbeispiele zu den Evergreens Jagr und Thornton.

Ich nehme zur Antwortfindung so genannte "Advanced Stats" zur Hilfe und stelle folgendes fest: Die Schussqualität nimmt mit zunehmendem Alter kaum ab. Dasselbe gilt für die "Possession-Numbers", zum Beispiel dCorsi. Vereinfacht ausgedrückt: Ein Spieler mit regelmässig überdurchschnittlichen Scheibenbesitz-Statistiken (dabei wird gezählt seinem Team während er auf dem Eis steht mehr Schüsse aufs gegnerische Tor gelingen oder ob es mehr Schüsse aufs eigene Tor gibt) wird auch im hohen Eishockeyalter noch effizient sein können. Jagr und Thornton hatten im Verlaufe ihrer Karrieren bis jetzt meistens überdurchschnittliche Scheibenbesitz-Statistiken; dies im Gegenteil zu Heatley und Lecavalier die während ihrer Blütezeit vor allem von der Anzahl persönlich abgegebener Schüsse gezehrt haben. Bei der Anzahl persönlich abgegebener Schüsse sieht die Leistungskurve anders aus. Sie zeigt, dass Stürmer in der Regel mit circa 24 Jahren am meisten Schüsse aufs gegnerische Tor abfeuern können und nachher diese Qualität ziemlich linear abnimmt. Noch einmal: Nicht die Schussqualität (% der Schüsse die mit einem Tor enden) und nicht die allgemeinen Teamscheibenbesitz-Zahlen verschlechtern sich mit zunehmendem Alter, sondern vor allem die persönliche Anzahl Schüsse aufs gegnerische Tor. Die Anzahl von Assists sinkt ebenfalls mit zunehmendem Alter, aber der Rückgang ist weniger markant als bei den Schüssen aufs Tor.

Tommi Santala zurück zum EHC Kloten - Transfercoup oder Reinfall?

Was bedeutet dies nun für Entscheidungsträger in Hockeyorganisationen? Ich vereinfache wiederum: Tendenziell ist bei 35-40 jährigen Goalscorern grosse Vorsicht angezeigt. Reine Goalscorer verlieren sehr viel schneller an Qualität als z.B. "Pass-First- Spieler". Karrieren von Spielern wie Thornton und Jagr – die sehr stark sind im Kreieren von Torchancen und betreffend Scheibenbesitz haben in der Tendenz eine weit längere "Halbwertszeit" als Karrieren von einseitigen Torschützen. Diese Erkenntnis soll beispielsweise auch helfen zu entscheiden, ob man Spieler wie Martin Plüss weiter unter Vertrag nehmen soll. Allerdings fehlen diesbezüglich bei uns – wenigstens in der Öffentlichkeit - die dCorsi-Statistiken (Scheibenbesitz), welche uns eine sachliche, professionelle Urteilshilfe für diese teils emotionale Diskussion liefern könnte. Bei der Frage, ob man ältere Spieler unter Vertrag nehmen soll ist es zwingend, ihre Fähigkeiten, das Eis kontrollieren zu können, die Team- Scheibenkontrolle unterstützen zu können, zu beurteilen. Die eigentliche Skorerproduktion sollten wir dabei etwas in den Hintergrund rücken.

Wieso spielen Jagr und Thornton noch immer in der NHL?
Sehr aktuell und hoch interessant ist in diesem Zusammenhang die Verpflichtung des 38-jährigen Tommi Santala des EHC Kloten. Santala hat gut gespielt in Kloten in der ersten Saisonhälfte 16/17 und war eher schwach in der KHL, vor allem in den Playoffs. Die in den Social-Media- Kanälen zu beobachtenden Jubelstürme bei den EHC Kloten-Fans entspringen der Kausalitätsunterstellung, respektive Erwartung, dass er in der Saison 17/18 beim EHC Kloten genau so gut "funktionieren" wird, wie im Herbst 2016. In der KHL konnte er nicht bleiben, weil sein Skating nicht mehr gut genug war, er hat zu viel an Speed verloren. Euphorie oder Skepsis, was ist angezeigt? Soll der EHC Kloten die Vergangenheit ehren und sie hinter sich lassen? Oder überschätze ich Experten- und unterschätze ich Erfahrungswissen? Bilde Dir selbst ein Urteil aber denke daran: Wenn du beim Recherchieren – nicht nur über Hockeyspieler – nicht ein, zwei Mal deine Ansicht änderst, recherchierst du möglicherweise schlecht.

Wieso spielen Jagr und Thornton noch immer in der NHL?
Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

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