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Wieso verdient Mikael Granlund mehr als Nino Niederreiter?

Wieso verdient Mikael Granlund mehr als Nino Niederreiter?
Gestern hat nach Nino Niederreiter auch Mikael Granlund bei den Minnesota Wild einen neuen Vertrag unterzeichnet und exakt wie Nino damit ein bereits angekündigtes Schiedsgerichtsurteil abgewendet. Bei beiden Spielern war im Vornherein völlig klar, dass sie einen Vertrag mit jährlich über 5 Millonen Dollar unterzeichnen werden und dies ist jetzt auch so eingetreten, ein Schiedsgericht hätte bei beiden Spielern ebenfalls ein Salär in der Grössenordnung von über 5 Millionen festgesetzt. Nino Niederreiter steht mit jährlich 5.25 zu Buche und Mikael Granlund mit 5.75 Mio.

Vordergründig ein nachvollziehbarer kleiner Unterschied, denn Mikael Granlund hat in 81 Spielen 69 Skorerpunkte erzielt und Nino in 82 Spielen 57. Nur, dies ist die oberflächliche Betrachtungsweise von Old-School- Hockeyköpfen. Die so genannten "Advanced Stats", Statistiken welche die aufstrebende Gilde von Hockey-Analytikern präsentieren, zeigen ein anderes Bild. Bei diesen Statistiken weist Nino Niederreiter deutlich bessere Werte auf als Mikael Granlund und ich bin etwas erstaunt, dass dies in den Vertragswerken nicht abgebildet wird. Offensichtlich hat bei diesem Vergleich die "Old-School- Betrachtung" obsiegt. Im Detail ist auch interessant, dass mit diesen neuen Verträgen Mikael Granlund ein Jahr früher "Unrestricted Free Agent" wird als Nino Niederreiter und als erstmaliger "Unrestricted Free Agent" winkt in der Regel der grösste Zahltag der Karriere. Es wäre sicher sehr interessant zu erfahren, welche Überlegungen bei den Spieler/Agenten-Duos Nino Niederreiter/André Rufener und Mikael Granlund/Todd Diamond zu den entsprechenden Resultaten geführt haben. Aber seien wir ehrlich: Falls es diesbezüglich etwas zu kritisieren gibt, ist es Kritik auf sehr hohem Niveau und – wie gesagt – dank der grossen Salärtransparenz in der NHL waren diese beiden Verträge sehr vorhersehbar und niemand ist überrascht.

Minnesota muss ein bis zwei teure Spieler abgeben - Angebote für Niederreiter werden kommen

Vielleicht ist es ein symbolischer Wink mit dem Zaunpfahl, dass Nino Niederreiter einen Fünfjahresvertrag und Mikael Granlund "nur" einen Dreijahresvertrag unterzeichnen konnte. Setzen die Wild eher auf Nino als auf Granlund? Auf jeden Fall werden jetzt – nachdem für allfällige Interessenten auch die finanziellen Konditionen klar sind – die nie verstummten Tradegerüchte wieder angeheizt. Die Minnesota Wild hat nur noch 4.8 Millonen "Cap-Space" zur Verfügung, um insgesamt vier Spieler unter Vertrag zu nehmen. Der Wild-GM ist aktuell gewaltigem Salary-Cap-Druck ausgesetzt und dies schreit förmlich nach einem Trade eines teuren Spielers. Diesbezüglich werden die Namen Niederreiter, Granlund und Coyle immer wieder genannt. Dies alles sind selbstverständlich hoch spekulative Überlegungen und Minnesota wird denjenigen Trade vollziehen, bei dem der gefühlt beste Gegenwert angeboten wird. Es würde mich nicht erstaunen, wenn Teams, deren Teppichetage bereits stark von "Analytic-Guys" geprägt werden, aggressive Offerten für Nino Niederreiter auf den Tisch legen würden (zum Beispiel Arizona). Für Spannung ist auf jeden Fall gesorgt. In Minnesota wird in den nächsten 24 Monaten im Teamroster einiges an Veränderung anstehen, denn die Salary-Cap- Problematik zeichnet sich für sie auch für die Saison 18/19 ab. Minnesota muss früher oder später einen oder zwei teure Spieler gegen finanziell günstigere Assets eintauschen. Dass für Nino Niederreiter gute Angebote kommen werden, ist absehbar, weil er einerseits hervorragende "Advanced Stats" aus der vergangenen Saison aufweist, andererseits mit 5.25 Millionen Cap-Hit nicht als überbezahlt gilt; und dies für die nächsten fünf Jahre.

Wieso verdient Mikael Granlund mehr als Nino Niederreiter?
Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.