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''Einige dieser Spieler verdienen mehr als unsere ganze Mannschaft''
Adrian Ehrat
Von Adrian Ehrat
adrian.ehrat@sportal.email
 
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In Cardiff wird Fussball und Rugby gespielt. Aber sicher nicht Eishockey... Oder doch? Ja, und das sogar noch ziemlich erfolgreich. Die Cardiff Devils zeigen in der Champions Hockey League starke Leistungen. Doch wie gut ist das Eishockey in Grossbritannien? Wir haben uns in Wales auf Spurensuche begeben.

Strammer Gang, fester Händedruck, ein breites Grinsen auf dem Gesicht. ''Welcome to Cardiff'', sagt Todd Kelman, GM der Cardiff Devils, als er SPORTAL HD zum Gespräch empfängt. Der Kanadier ist ein vielbeschäftigter Mann, der einst selber Eishockey spielte und danach jahrelang erfolgreich bei den Belfast Giants wirkte. Seit 2014 ist der Kanadier nun in Cardiff - und mit ihm kam der Erfolg.

Spielertrainer? Warum nicht...

Kelman war es auch, der Andrew Lord in die walisische Hauptstadt lotste. Aus budgetären Gründen übernahm der Stürmer 2014 auch gleich das Amt des Headcoaches. Und da die Mannschaft unter Spielertrainer Lord so erfolgreich agierte und im letzten Jahr den Ligatitel holte, hat der 32-Jährige heute noch immer die Doppelfunktion inne, obwohl man sich mittlerweile einen eigenen Cheftrainer leisten könnte.

Manchmal schauen mich die Leute schon noch komisch an, wenn ich erzähle, was ich mache

Lord sprüht vor Energie, wenn er mit einem spricht. Cardiff sei eine super Adresse, wenn man Eishockey spielen will. Die Stadt habe viel zu bieten, die Fans seien unglaublich und dank dem Commonwealth agreement können auch die Frauen und Freundinnen der mehrheitlich kanadischen Spieler in Wales arbeiten. ''Die Eishockey-Welt ist klein, es spricht sich schnell herum, dass man hier gute Erfahrungen in Übersee machen kann'', so Lord.

Probleme im Nachwuchsbereich

Die Mehrheit der Spieler in der britischen EIHL kommt denn auch aus Nordamerika, einheimische Akteure sind eher die Ausnahme. Einer von ihnen ist Matthew Myers, der in Cardiff aufwuchs und das Eishockey-ABC erlernte. ''Manchmal schauen mich die Leute schon noch komisch an, wenn ich erzähle, was ich mache'', lacht der 31-Jährige, ''aber ich spreche es von mir aus gar nicht an.''

Myers ist einer der wenigen, der den Sprung von der Nachwuchsabteilung in die erste Mannschaft schaffte. Der Unterschied zwischen dem Junioren- und Profi-Hockey sei in Grossbritannien einfach zu gross, sagen Kelman, Lord und Myers unisono. Dies sei eines der Probleme, mit denen die Devils zu kämpfen haben.

''Einige dieser Spieler verdienen mehr als unsere ganze Mannschaft''
Ein weiteres ist das Benützungsrecht des Stadions, in welchem der Klub nur Mieter ist. Die verfügbare Eiszeit ist knapp, sehr knapp. So verzichteten die Devils auf Kosten des HC Davos gar auf eine Trainingseinheit vor dem Duell in der Champions Hockey League. Zum Sieg, dem ersten in der CHL, reichte es bekanntlich trotzdem.

Noch viel Luft nach oben

Noch sind die Devils in Sachen Professionalität ziemlich weit entfernt von den Topklubs Europas, mit welchen sie sich messen dürfen. Die Gäste-Garderobe in der etwas mehr als 3000 Zuschauer fassenden Ice Arena Wales gleicht mehr einer Umkleide eines Amateur-Fussballvereins denn einer Eishockey-Garderobe, die Spielerbank ist in zwei Reihen gegliedert, einen Raum für den Massagetisch sucht man vergebens.

''Einige dieser Spieler verdienen mehr als unsere ganze Mannschaft''

''Einige dieser Spieler verdienen mehr als unsere ganze Mannschaft'', sagt etwa Kelman, der die CHL als grosse Chance sieht, das eine oder andere bei den arrivierten Vereinen abzuschauen. Oder Punkte abzuknöpfen. Wie kürzlich den Växjö Lakers, dem Leader der Gruppe E. Eishockey und Wales, das passt halt eben doch irgendwie zusammen. 

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