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''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Adrian Ehrat
Von Adrian Ehrat
adrian.ehrat@sportal.email
 
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''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Die Erwartungen und der Druck vor der Saison waren gross, schliesslich ist Nico Hischier der erste und einzige Schweizer ''first overall pick'' der Geschichte. Doch der 19-jährige Walliser liess sich davon nicht beirren und spielte eine starke Debüt-Saison in der NHL.

sport.ch: Nico, du warst soeben beim Zahnarzt. Alles in Ordnung?

Nico Hischier: Ja, danke der Nachfrage. Ich habe heute die Kronen für vier Zähne bekommen, welche ich im Dezember abgebrochen hatte. Es fühlt sich gerade noch etwas komisch an, aber das wird schon.

Reden wir über Sport. Die Hälfte der Regular Season ist vorbei. Wie bist du zufrieden mit der Leistung eures Teams?

Im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden, denn wir hatten einen super Start. Zuletzt lief es allerdings nicht mehr so rund. Ich würde nicht sagen, dass wir in einem Tief sind, aber wir müssen wieder Wege finden, um Spiele zu gewinnen.

Du sprichst es an, von den letzten zehn Spielen gingen acht verloren. Hast du eine Erklärung?

Ich denke, das gehört zum Eishockey dazu. Es gibt Phasen, da läuft es einfach und dann gibt es Phasen, in welchen es nicht mehr so gut funktioniert. Wichtig ist einfach, dass man einen Weg findet, diese Phasen zu beenden und wieder Spiele gewinnt. Wir gewannen in dieser Saison auch schon Spiele, die wir aufgrund unserer Leistung eigentlich nicht hätten gewinnen dürfen. So etwas gleicht sich im Verlauf einer Saison immer aus.

''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Wie beurteilst du deine persönlichen Leistungen?

Ich bin eigentlich sehr zufrieden, denn ich startete ohne grosse Erwartungen in die Saison. Es gibt viele gute Mitspieler, die mir und den anderen jungen Spielern helfen. Es ist cool, ein Teil dieser Gruppe zu sein und mit ihr Hockey zu spielen.

Das Speziellste war sicher mein erstes NHL-Spiel. Das war einfach ein cooler Nachmittag und ein cooles Spiel, welches wir dann ja auch gewinnen konnten. 

Die Erwartungen an dich waren vor der Saison riesengross und der Druck muss es auch gewesen sein. Hattest du nie Angst, dass du all dem nicht gewachsen sein könntest?

Klar war ein gewisser Druck da und ich würde auch lügen, wenn ich sage, dass ich diesen nicht gespürt habe. Aber ich versuchte einfach, mich auf das Hockey zu konzentrieren und alles andere auszublenden.

Das tönt relativ einfach, doch wie kann man das in der Praxis umsetzen? Man kriegt ja trotzdem sehr viel mit...

Das ist so, ja. Ich habe einfach nichts gelesen und mich nur darauf konzentriert, was die Mitspieler und die Trainer sagen. Das war sehr hilfreich und gelang mir ganz gut.

''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Welches bisherige Erlebnis in der NHL sticht heraus?

Das Speziellste war sicher mein erstes NHL-Spiel. Das war einfach ein cooler Nachmittag und ein cooles Spiel, welches wir dann ja auch gewinnen konnten. Die Atmosphäre im Stadion war einfach fantastisch. Das war ein Tag, den ich nie vergessen werde.

Gab es auch negative Überraschungen?

Nein, das eigentlich nicht. Was einfach noch etwas ungewohnt ist, ist das viele Reisen. Dass man nach einem Heimspiel gleich ins Flugzeug steigt und am nächsten Tag schon wieder ein Auswärtsspiel hat, ist schon etwas speziell.

Zum vielen Reisen kommt auch eine Anzahl an Spielen, die du dir aus deiner bisherigen Karriere noch nicht gewohnt bist. Wie steht es um deinen Energiehaushalt?

Es geht bisher eigentlich relativ gut. Aber es gibt gewisse Spiele, in welchen man merkt, dass es nicht so richtig läuft. Ich bekomme dann das Gefühl, dass heute nicht mein Tag ist - der Kopf oder die Beine sind müde. Aber ich denke, dass ist für jeden Spieler dasselbe. Es kommt dann einfach darauf an, was man daraus macht. Man muss einfach immer einen Weg finden, dagegen anzukämpfen und versuchen, dem Team mit anderen Mitteln zu helfen.

Zu Beginn war ich schon sehr nervös, aber wenn man merkt, dass es eigentlich ganz gut geht, dann fühlt man sich schnell wohler.

Hast du schon eine gewisse Routine entwickelt, was den Alltag in der NHL betrifft?

Ich sage immer: Die ganze Saison wird neu sein für mich. Es gibt neue Städte, neue Stadien. Das ist ein Prozess, der sicher noch bis Ende Saison andauern wird. Und auch dann bin ich noch kein Routinier (lacht). Ich werde sicher noch ein paar Jahre lang vieles lernen können.

Aber eine gewisse Lockerheit konntest du bereits entwickeln?

Ja, das schon. Man fühlt sich wohler nach jedem Spiel. Zu Beginn war ich schon sehr nervös, aber wenn man merkt, dass es eigentlich ganz gut geht, dann fühlt man sich schnell wohler.

In welchem Bereich musst du dich noch am meisten verbessern?

Man kann sich natürlich immer und überall verbessern, aber ein Punkt, in dem ich mich unbedingt und schnell Fortschritte erzielen will, ist das Bullyspiel. Ich merke, dass die meisten Spieler viel kräftiger sind und ich deshalb viele Bullys verliere. Deshalb arbeite ich nach jedem Training noch zusätzlich an meinem Bullyspiel. Es hilft natürlich auch, Spieler wie Travis Zajac und Brian Boyle im Team zu haben, welche in diesem Bereich schon viel Erfahrung aufweisen.

''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Wie sieht es abseits des Eisfelds aus? Wie wohnst du?

Ich wohne alleine in einem Apartment in Jersey City, aber drei meiner Teamkollegen leben im gleichen Gebäude.

Wie klappt es mit den Haushaltsarbeiten?

Ganz gut. Ich bin eigentlich nie alleine und koche meistens mit meinen Kollegen, die im selben Gebäude wohnen und verbringe viel Zeit mit ihnen.

Kannst du dich frei bewegen in der Stadt oder wirst du oft angesprochen?

Ich kann mich problemlos in der Stadt bewegen, angesprochen werde ich eigentlich nur in der Nähe des Stadions (in Newark, Anm. der Red.).

Du bist nicht der einzige Schweizer im Team, sondern hast mit Mirco Müller einen Teamkollegen aus demselben Land. Gehört er auch zu deinem Freundeskreis?

Ja, klar. Er ist mittlerweile ein guter Kollege und wir unternehmen ab und zu etwas zusammen. Für mich war es sehr hilfreich, ihn im Team zu haben, denn er ist ja auch schon einige Jahre dabei und weiss, wie der Hase hier in Nordamerika läuft.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich Roman Josi beim SCB zusah, als ich noch klein war. Seine Karriere verfolgte ich seither genau und es ist schon speziell, jetzt das erste Mal gegen ihn zu spielen.

Wie sieht der Kontakt mit den anderen Schweizern in der NHL aus? Gab es da schon das eine oder andere Abendessen?

Nein, das eigentlich nicht, ich kenne auch nicht jeden von ihnen persönlich. Aber als wir in Minnesota spielten, unterhielt ich mich nach dem Spiel mit Nino Niederreiter eine Weile vor der Garderobe, das war cool.

Nun steht das erste Duell mit Roman Josi an, der dich kürzlich in den nordamerikanischen Medien in den höchsten Tönen lobte. Ist das überhaupt noch etwas Spezielles, wenn man schon von Wayne Gretzky und anderen Eishockey-Grössen gelobt wurde?

Klar, das ist sicher etwas Spezielles. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ihm beim SCB zusah, als ich noch klein war. Seine Karriere verfolgte ich seither genau und es ist schon speziell, jetzt das erste Mal gegen ihn zu spielen. Besonders nach dem, was er über mich gesagt hat - das macht mich schon stolz.

''Was Josi gesagt hat, macht mich schon stolz''
Wie genau verfolgst du das Eishockey in der Schweiz eigentlich noch?

Ich verfolge das Ganze ziemlich nah. Mein Bruder und einige Kollegen spielen ja noch in der National League, mit ihnen stehe ich auch regelmässig in Kontakt.

Wie sieht es mit anderen Sportarten aus? Dein Vorbild Roger Federer steht ja gerade in Melbourne im Einsatz...

Ich verfolge ihn und seine Spiele eigentlich sehr gern, aber in den letzten Tagen fehlte mir aber etwas die Zeit dazu.

Traust du ihm den Titel an den Australian Open zu?

Ja, ganz klar!