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Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
In der zweiteiligen Vorschau wurden die Teamrosters der Medaillenfavoriten im ersten Teil beleuchtet. Heute fokussieren wir uns auf diejenigen Teams denen ich reale Aussenseiterchancen auf eine Medaille zugestehe; dies sind die Schweiz, Deutschland, die Slowakei und Norwegen.

Vorbemerkungen

Die Chancen auf eine Überraschung stehen bei diesem olympischen Turnier gut, denn einerseits ist das Turnierformat aussenseiterfreundlich und andererseits wiegt die Absenz der NHL bei den „kleinen“ Teams deutlich weniger schwer als bei den Topnationen. Aus diesem Grund ist ein Medaillengewinn der Schweiz, Deutschland, der Slowakei oder Norwegen zwar nicht wahrscheinlich aber doch möglich. Unter den Aussenseitern sehe ich die Schweiz und Deutschland in der Pole-Position, die Slowaken leiden von den Aussenseitern am meisten unter der NHL-Absenz, so dass ich das slowakische Olympiateam – wie auch das norwegische – nicht ganz gleich stark einschätze wie die Auswahlen aus der Schweiz und Deutschland.

Deutschland: Mit Offensiv-Power und anfälliger Defensive

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
Deutschland stellt im Vergleich zur Schweiz das etwas grössere, schwerere und ältere Team. Mit Christian Ehrhoff und Marcel Goc stehen den Deutschen zudem zwei ehemalige ziemlich gute NHL-Spieler zur Verfügung die in der heimischen DEL noch immer ansprechend „performen“. Ehrhoff wird versuchen, das Powerplay von der blauen Linie aus zu befeuern, während Goc vor allem auch die defensive Stabilität unterstützen und die Verantwortung bei den entscheidenden „Faceoffs“ übernehmen wird. Zu Diskussionen Anlass hat der Verzicht auf den DEL-Topskorer Marcel Müller gegeben, aber die Diskussion um den Verzicht auf Skorerlistenkönige kennen wir ja auch hier in der Schweiz. Trotz des Verzichts auf Marcel Müller orte ich insgesamt recht gute Feuerkraft und offensive Potenz in den Reihen der Deutschen. Ehrhoff ist ein offensiv ausgerichteter Verteidiger und im Sturm erhoffe ich mir genügend Glanz und Kreativität von Brooks Macek, Felix Schütz und Dominik Kahun. Deutschland besticht in der Regel durch Kampfkraft und dies erwarte ich auch an diesem Turnier. Hinzu kommen könnte eine vergleichsweise überdurchschnittliche mannschaftliche Geschlossenheit (die meisten Spieler kennen sich sehr gut) und – wie bereits geschrieben – die offensive Potenz könnte ganz ordentlich sein. Auf der Negativseite sehe ich keine „High-End“-Spieler im deutschen Kader und die Verteidiger werden gegen die – zwar an diesem Turnier nicht sehr zahlreichen – Topstürmer ständig am oder über dem Limit spielen müssen, um bestehen zu können. Dies wird mit zunehmender Dauer des Turniers ein kritischer Faktor werden; die Fehleranfälligkeit wird bei den Aussenseitern durch den zu erwartet höheren Energieverlust zunehmen. Insgesamt ist der allgemeine Skill- und Skating-Level zu durchschnittlich, um zu den Medaillenfavoriten zählen zu dürfen, aber Deutschland wird zusammen mit der Schweiz der Top-Aussenseiter sein und die Aussenseiter sind qualitätsmässig bei diesem Turnier nicht sehr weit von den Top-Nationen entfernt.

Schweiz: Ansprechende Skills, aber wer schiesst die Tore?

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
Nicht nur Deutschland, auch die Schweiz hat gute Aussenseiterchancen auf eine Überraschung. In der Schweiz selbst wird allerdings vielerorts eine Medaille erwartet und nicht nur insgeheim erhofft. „Die Medaille liegt zur Abholung bereit“, „alles andere als eine Medaille wäre eine Enttäuschung“, dies sind „Quotes“ die man hier und da hört und liest im Schweizer Medienwald. Diese Erwartungshaltung entspricht nichts anderem als leicht naiver Selbstüberschätzung. Andererseits ist es tatsächlich so, dass ein Medaillengewinn auch für die Schweiz nicht als Sensation sondern lediglich als Überraschung taxiert werden müsste. Das Schweizer Team hat von den Aussenseitern vermutlich den höchsten Skill-Level. Mit Vincent Praplan, Denis Hollenstein, Pius Suter, Gaetan Haas, Enzo Corvi und Grégory Hofmann bringt die Schweiz im Vergleich mit den anderen Aussenseitern diesbezüglich ein klein wenig mehr mit an den Start als beispielsweise die Deutschen, die aber leichte physische Vorteile aufweisen. Skills und ansprechender Skatingspeed sind das Eine, unsicher bin ich beim Scoring. Wenn man die aus der heimischen Liga besten Skorer, Spieler mit sehr guter Schusstechnik, zu Hause lässt dann werde ich immer ein wenig nervös. Nervös darum, weil ich zu wissen glaube, dass es im Eishockey noch immer am schwierigsten ist, Tore zu erzielen. Trotz wertvoller Detailzahlen zu anderen „Assets“ die Hockeyspieler haben müssen: Die Fähigkeit, Tore zu erzielen ist und bleibt der wichtigste Schlüssel zum Erfolg. Andererseits beruhigt es mich zu wissen, dass das diesjährige Olympiakader unter Mithilfe von „Analytictools“ zusammengestellt wurde. Weil mir diese Tools nur bruchstückhaft vorliegen – vielleicht typisch für die Schweiz, wo bei Informationen (zu) oft mehr Schweigemauern statt Transparenz üblich sind - kann ich nur hoffen, dass aus den offensichtlich vorliegenden Daten die richtigen Schlüsse gezogen wurden. Dies ist nicht selbstverständlich, denn wenn ich die bisherige Berichterstattung über „Analytics“ und „Advanced Stats“ analysiere dann werde ich in der Meinung bestätigt, dass das Interpretieren, die richtigen Schlüsse ziehen aus vorliegenden Daten, vielerorts noch erlernt werden muss. Diesbezügliche Aus- und Weiterbildung ist angesagt, auch für mich selber.

Zurück zum Olympiakader: Die Torhütersituation wird kontrovers diskutiert. Die klare Schweizer Mehrheitsmeinung: Die Goalies sind eine Stärke in unserem Team. Bei ausländischen Beobachtern wird das Goalietrio tendenziell als Fragezeichen oder sogar als Schwachpunkt beurteilt. Meine persönliche Meinung: Ich weiss es nicht. Ich weiss, dass es für eine Überraschung eine top Goalieleistung benötigt und wie bei den allermeisten anderen Nationen sind auch unsere Goalies auf dem grundsätzlichen Niveau, in einem kurzen Turnier, eine top Goalieleistung abliefern zu können, aber leider ist das Gegenteil auch möglich. Am stabilsten stufe ich Leo Genoni ein aber ob er olympische Turnierspiele gegen Topnationen stehlen wird ist - wie bei den allermeisten Goalies anderer Nationen - unsicher. Interessant ist die Besetzung der Verteidigerpositionen. Die Verteidiger sind mehrheitlich spielerisch ausgerichtet und mobil in alle Richtungen. Offensichtlich dem deutlichen Trend in der NHL in Richtung „skilled“ und mobile Verteidiger folgend, kann ich diese Nominierungen gut nachvollziehen. Das Problem ist, dass die mobilen „skilled“ Schweizer Verteidiger nicht ganz auf dem heute an der Weltspitze erforderlichen Skating- und Skill-Level sind. Darum setze ich ein Fragezeichen, ob die etwas zurückhaltenden Schweizer Verteidigerskills ausreichen, um die fehlende Wasserverdrängung in der Defensive vollständig kompensieren zu können.

Slowakei: Wie werden die grossen NHL-Absenzen verkraftet?

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
Noch immer ist der bald 39-jährige Ladislav Nagy die dominierende Figur in der slowakischen Liga. Die Frage stellt sich nun ob Nagy derart gut oder die slowakische Liga eher schwach ist, um das Phänomen Nagy zu erklären. Auch vom kleingewachsenen Center und Leichtgewicht Michal Kristof darf einiges erwartet werden. Bei den Goalies gefällt mir der 190cm grosse Patrik Rybar der in der tschechischen Liga eine hervorragende Saison spielt. Fünf der slowakischen Verteidiger sind grösser als 190cm... ein weiteres Mal stelle ich fest, dass die Slowaken noch immer vom Nachfolger Zdeno Charas träumen. Man nehme einen mindestens 190cm grossen slowakischen Skater und gebe ihm einen Hockeystock und schon keimt die Hoffnung auf, den nächsten Chara präsentieren zu können... Leider wachsen Spieler von Charas Kaliber nicht auf den Bäumen, auch nicht in der Slowakei. Insgesamt stufe ich die Slowaken als ein klein wenig schwächer ein als die Deutschen oder Schweizer. Von den Aussenseiternationen leiden sie ganz besonders unter der Absenz ihrer NHL-Cracks.

Norwegen: Mit geringer Kadertiefe und zwei "Schweizer" Stars

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
Auch die Norweger beurteile ich als auf dem Papier nicht gänzlich ebenbürtig im Vergleich mit den Deutschen oder Schweizern. Aber aufgepasst, bei dieser Beurteilung dürfen wir nicht vergessen, dass die Unterschiede der Norweger und Slowaken zu den Deutschen und Schweizern sehr gering sind und in Direktduellen würde ich die Deutschen oder Schweizer nur gerade mit 55% zu 45% favorisieren, nicht mehr... aber auch nicht weniger. Nur gerade 8 Spieler aus dem norwegischen Kader verdienen ihr Geld in der heimischen Liga. Die beiden Top-Spieler kennen wir aus der Schweiz, Patrick Thoresen und Jonas Holos. Bei den Goalies erwarte ich Lars Haugen als deren Nr.1. Er weist immerhin 4 KHL-Jahre in seinem Palmares auf und spielt aktuell in Schweden bei Färjestad. Das Problem der Norweger ist die mangelnde Tiefe im Kader, speziell auch auf der Verteidigerposition. Nach Holos, Norstebo und Lesund ist es schwierig, Topqualität auf der Verteidigerposition im norwegischen Kader zu finden. Bei den Stürmern bin ich am meisten gespannt auf Ludvig Hoff aus der NCAA, er spielt allerdings nicht seine beste Saison aber trotzdem wird er vermutlich zu den besseren Stürmern im norwegischen Kader zählen. Alles in allem ein norwegisches Team mit einer Handvoll guten Spielern aber mit mangelnder Kadertiefe. Der dritte und vierte Block der Norweger dürfte im Vergleich zu denselben „Units“ bei den Deutschen und den Schweizern etwas abfallen.

Welche Nation weist die besten Aussenseiterchancen auf?
Thomas Roost ist seit 1996 NHL-Scout für den zur NHL gehörenden Central Scouting Service und seit 2010 Scout für den EHC Biel. Hauptberuflich ist er als CHRO und Mitglied der Konzernleitung in einer internationalen Touristikfirma mit weltweit 1500 Mitarbeitenden tätig. Thomas leistet sich eine eigene Meinung und freut sich immer sehr über Reaktionen zu seinen Beiträgen die zur Diskussion Anlass geben sollen. Er pflegt auch mit viel Spass seinen Twitter-Account @thomasroost.

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