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Explodierender Schneemann oder brennende Resega?
Flavien Gousset
Von Flavien Gousset
flavien.gousset@sportal.email
 
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Explodierender Schneemann oder brennende Resega?
Geschätzter Zürcher Leser, du hast heute zwei Möglichkeiten. 1) Zuschauen wie in farbenfrohe Uniformen gekleidete Zünfter bei steigendem Alkoholpegel zum Sechseläutenplatz stolzieren um dort einen überdimensionalen Schneemann anzuzünden. 2) Den Zug nach Lugano besteigen, bei Gelati am Lago di Lugano die pralle Tessiner Sonne geniessen und danach in die Resega übersiedeln um Playoff-Hockey vom Feinsten zu geniessen. Eine Abwägung.

Heute Nachmittag um 15:00 Uhr werden sich die ehemaligen Handwerkervereinigungen, angeführt von der 1897 im Gasthof Falken gegründeten Zunft zu Wiedikon, über die Bahnhofstrasse und der Limmat entlang zum Sechseläutenplatz aufmachen, wo wie jedes Jahr der Böögg auf sie wartet. Um Punkt 18:00 wird dieser entzündet und noch während er darauf wartet die Qualität des Sommers preiszugeben von den Reitertruppen der Zünfte umkreist. Hat der zu gross geratene Schneemann einmal seinen Kopf verloren, so begeben sich die heiteren Gesellschaften langsam in ihre Zunftlokale um dort bei Speis und Trank die Nacht einzuläuten, die noch lange dauern dürfte.

Als gemeiner Zuschauer dürftest du dann, nachdem du den Nachmittag innerhalb grosser Menschenmasse damit verbracht hast der Selbstinszenierung von Mehrbesseren zuzuschauen, entweder den Heimweg antreten oder die von der Böögg-Verbrennung übrig geblieben Glut nutzen, um deine mitgebrachte Ware vor dem Opernhaus zu grillieren. So die grobe Auslegeordnung des Nachmittags. 

Benvenuti a Lugano

Ganz anders gestaltet sich dein 16. April, wenn du jetzt Sonnenbrille, Portemonnaie und ZSC-Schal einpackst und dich, noch während du auf dem Smartphone diesen Artikel zu Ende liest, an den Hauptbahnhof aufmachst. Wie wäre es z.B. mit dem 13:32 Zug? Sparbillette sind für diesen immer noch vorhanden, womit dir mehr Geld bleibt, wenn du kurz vor 16:00 Uhr im sonnigen Lugano eintriffst. Wenige Minuten später sehe ich dich vor meinem inneren Auge wahlweise mit einem kühlen Bier oder einem feinen Glacé dem glitzernden Lago di Lugano entlang schlendern, während du dir überlegst in welcher der unzähligen Pizzerias und Trattorias du dein Nachtessen einnehmen möchtest.

Explodierender Schneemann oder brennende Resega?
All dies natürlich nur Vorgeplänkel für den eigentlichen Grund deiner Anreise: Um 20:15 wird in der Resega die dritte Partie des Playoff-Finals angepfiffen. Aller Wahrscheinlichkeit nach erleben die Zuschauer in den folgenden Stunden bestes Schweizer Eishockey, wenn der HC Lugano jegliche Kräfte aufbietet um nach den zwei Startniederlagen einen Weg zurück in die Serie zu finden. Angeführt von Überkämpfer Kevin Klein, Tornado Pius Suter, Scheibenkünstler Roman Wick und dem litten Letten (ein Blick ins Wörterbuch der Szenensprachen kann helfen) Ronalds Kenins werden aber auch die Lions alles daran setzen die Serie mit dem 3:0 in Bahnen zu lenken, aus denen nicht einmal SBB-Züge mehr entgleisen können. Siehe Zürich Oerlikon.

Eine Präferenzfrage

Während du am Sechseläuten im besten Falle zuschauen kannst wie altehrwürdige Politiker vom Podium stürzen, so gibt es in der Resega kernige Checks, lose Mundwerke, krachende Slapshots und gnadenlose Faustkämpfe en masse zu bestaunen. Während am Sechseläuten Pferde im Kreise traben, galoppieren in der Resega die besten Hockey-Mannschaften der Schweiz in Richtung Meistertitel. Während du in Zürich Menschen zujubelst, die durch den Zufall der Geburt im Zentrum stehen, schreist du in der Resega Hockeyaner vorwärts, die sich jede einzelne Minute Spielzeit mit Blut, Schweiss und Tränen erkämpft haben. Du hast die Wahl. 

Hättest sie gehabt, wenn du nicht gewartet hättest, bis die Resega ausverkauft war. 

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